Genug ist genug

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"Gegen das Vergessen" kritisch betrachtet (über die deutsche Vergangenheit)

Autor: 
Stephan A. Rickauer

Es ist allgemein bekannt, welch intensive Beziehung Täter und Opfer oftmals verbindet. Weniger bekannt ist, dass diese verhängnisvolle Bindung oftmals weit über die ihr zugrunde liegenden, gegenwärtigen Geschehnisse hinauszuführen vermag.
Was für die hörige Beziehung von einzelnen Individuen gilt, ist für Kollektive, wie das einer Gruppe von Menschen, das eines Volkes oder gar das einer ganzen Menschheit nicht anders. Wie lange diese abhängige Bindung zu überdauern vermag, zeigt das allgegenwärtige, leicht köchelnd gehaltene Thema der Holocaust-Geschichte Deutschlands, historisch korrekter: Europas.

Mit morbider Detailtreue wird die grausame Geschichte des Dritten Reiches, mit dessen im eigentlichen Sinne "wahnsinnigen" Bluttaten und übelkeitserregenden Abschlachtungen, dem Durchschnittsweltbürger vor Augen geführt - tagtäglich. Zur Argumentation, warum sich ein an der Gegenwart und Zukunft interessierter Mensch dieser Malträtur immer und immer wieder auszusetzen hat, kann man erfahren, dass es dem Wohle des Volkes und der Menschheit diene, wenn diese Geschichte niemals ins Vergessen gedrängt werde und nur das Pflegen der Schuldfrage, die eigentlich eine Schuldantwort ist, den Menschen vor neuer Schuld bewahre.

So werden tagein-tagaus Millionen von Menschen, ob jung oder alt, ob in der Schule vor der Tafel oder zu Hause am Bildschirm, mit der Kollektivschuld des Naziregimes beharkt.
Deutlicher kann das Bild einer fatalen Täter-Opfer-Beziehung wohl nicht gezeichnet werden. Der mahnende Zeigefinger wird so weit in den Himmel gehoben, dass die Hand, an die er unweigerlich gebunden ist, nicht mehr zu sinnvolleren Dingen genutzt werden kann.

Jeder Autor, der sich mit dem Missstand der Verhältnismässigkeit von Schuld und deren Verarbeitung befasst, wird oft und gerne vorschnell in die Ecke derjenigen gedacht, welche die Schuld an sich zu verteidigen suchen und somit Rechtsradikalismus, Antisemitismus und jede andere Form der Menschen-Diskriminierung zumindest zu dulden scheinen. Die Besorgnis darüber, ob eine sinnvolle Vergangenheitsbewältigung durch gesteuert erzeugte Vergangenheitsgier stattfinden kann, rechtfertigt allerdings nicht die Vergangenheit selbst. Man könnte behaupten, all diejenigen, welche das Fass der "Gehirnwäsche gegen Rechts" als voll bzw.