Ent-täuschung als Grundlage der Erkenntnis
Bis zur heutigen Zeit sind sehr viele Begriffswerte bis zur Unkenntlichkeit verfälscht worden, so dass ihr eigentlicher Wert, den diese Begriffe beinhalten und zum Ausdruck bringen, nicht im mindesten mehr mit den heute gebräuchlichen Werten übereinstimmen. Für den Begriff Enttäuschung trifft dies in besonderem Masse zu, denn die ursprüngliche Bedeutung birgt in sich den genau gegenteiligen Wert des heute gebräuchlichen.
Zerlegt man den Begriff Enttäuschung in seine zwei Teile, dann wird die eigentliche Bedeutung des Wertes offensichtlich: Ent-täuschung.
Eine Täuschung ist immer dann gegeben, wenn der Mensch sich durch seine Gedankenwelt eine irreale Vorstellung eines Objektes macht, die mit der Wahrheit, also mit der tatsächlich gegebenen Tatsache, nicht übereinstimmt. Egal ob es bei diesem Objekt um eine Sache, eine Situation oder um einen Menschen geht: Immer ist es die Gedankenwelt des Menschen, die Vorstellungen und Erwartungshaltungen im Inneren als Ursache erzeugt und als Anschauung oder Einstellung im Äusseren zur Wirkung bringt.
Unterläuft dem Menschen ein Fehler in der gedanklichen Haltung einer Sache gegenüber, begeht er also eine Fehleinschätzung aufgrund von Unkenntnis, Unwissenheit, Vertrauen, Glauben, Wünschen etc., dann erzeugt er in sich, den falschen Gedanken entsprechend, ein Trugbild, das im Widerspruch zur tatsächlichen, wahren Gegebenheit resp. der wahrlichen Tatsache steht.
Als Ent-täuschung wird der Prozess beschrieben, der den Menschen zwingt - meist durch äussere Einflüsse -, das selbsterzeugte Trugbild zu korrigieren bzw. ganz zu revidieren oder es gar völlig zu zerstören, um sich der Wahrheit zuzuwenden und eine Tatsachenerkennung in Wahrheit zu tätigen. Während der Ent-täuschung entsteht also eine Front, an der zwei unterschiedliche Kräfte gewaltsam aufeinandertreffen: Die eigene Vorstellung und die Wahrheit. Oftmals ist dieser Prozess recht schmerzhaft, denn die eigene, gedankliche Falschvorstellung wird urplötzlich und meist ohne Vorwarnung mit der Wahrheit konfrontiert. Je länger diese gedankliche Falschvorstellung aufgebaut und anschliessend «gehegt und gepflegt» wurde, desto psychisch-belastender wirkt die Ent-täuschung, denn längst hat sich das unwahre Trugbild im Bewusstsein festgesetzt und entsprechend falsche Gefühle zur Wirkung gebracht, die ihrerseits erneut falsche Gedanken erzeugten und das Trugbild weiter ausbauten.