zur Sendung "quer" des bayerischen Rundfunks zum Thema Bevölkerungspolitik in Deutschland
«Sterben die Deutschen aus? - Bevölkerungsschwund dramatischer als erwartet» - mit dieser provokanten Überschrift näherte sich das bayerische Fernsehen in der Sendung «quer» dem Thema Überbevölkerung, allerdings von einem ungewöhnlichen Standpunkt heraus. Die deutsche Frau bringe nach einer noch unveröffentlichten UNO-Studie im Schnitt nur noch 1,4 Kinder zur Welt, so dass ein dramatischer Bevölkerungsrückgang um mehr als neun Millionen Menschen innerhalb der nächsten 50 Jahre zu erwarten sei. Um das Wirtschafts- und Arbeitsleben zumindest auf dem heutigen Niveau halten zu können, bedürfe es jährlich einer halben Million Zuwanderer. Bereits im Jahr 2050 steige der Anteil der Menschen über 60 Jahre auf mehr als 60%. Dies habe fatale Auswirkungen auf das deutsche Rentensystem, und in indirekter Folge bliebe der empfindliche Wirtschaftskreislauf auf der Strecke. Während heute vier Arbeitskräfte einen Rentner ernährten, käme im Jahr 2050 auf jeden Rentner nur noch eine Arbeitskraft. Die wirtschaftliche Belastung für den deutschen Durchschnittshaushalt wachse dramatisch an und führe früher oder später unvermeidlich zum Kollaps.
Na endlich! Selten wurde die Fehlbarkeit des in vielen Ländern der Erde angewendeten Rentensystems auch für den Normalbürger äusserst anschaulich erläutert - leider mit einer ähnlich anschaulichen, aber gefährlich falschen Schlussfolgerung. Hr. Prof. Birg, Bevölkerungsexperte der Universität Bielefeld, riet der deutschen Familie zu mehr Bevölkerungsbewusstsein, denn schliesslich habe die Kinderpolitik einer Familie umfassende Auswirkungen auf den Staat und dessen System im Ganzen. Dem ist sicher nichts entgegenzusetzen. Was er damit aber in Wahrheit elegant umschrieb, ist der ernstgemeinte Rat und seines Rätsels Lösung, doch bitte mehr Kinder in die Welt zu setzen, denn dann sei das Rentensystem gerettet.
Betrachtet man diesen Lösungsansatz genauer, dann wird seine Unzulänglichkeit und Kurzsichtigkeit offensichtlich. Die von Hr. Prof. Birg vorgeschlagene Strategie gleicht der verzweifelten Rettung eines untergehenden Bootes, das man mit mehr Menschen besetzt, um schneller das eindringende Wasser ausschöpfen zu können.
Man könnte meinen, es handle sich um eine weitere Geschichte der Schildbürger, denen man das oben genannte Vorgehen ohne Zweifel und mit einem Schmunzeln im Gesicht zutrauen würde.