Eine weihnachtliche Geschichte

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über die Geschichte des Weihnachtsfestes und ihrer christlichen Umwertung

Autor: 
Stephan Rickauer

Der gemeinsame Nenner war die Feier des wiederkehrenden Lichtes, der ausnahmslos allen damaligen Kulten und Religionen eigen war. Natürlich konnte diese konstruierte Vereinheitlichung nicht gewaltsam erfolgen, denn die damalige Christreligion war viel zu schwach, um sich mit derartigen Mitteln durchsetzen zu können. Man behielt die hauptsächlichen Festzeiten und Festgebräuche also bei, unterschob ihnen aber einen völlig anderen Sinn, denn auf diesem Wege der Umdeutung und bösartigen Sinnverschiebung gelang es den Priestern, das Volk leichter für das Christentum zu gewinnen. Man hatte bald erkannt, dass die zum Teil uralten Sitten und Gebräuche der heidnischen Völker nicht durch Verbote und Verfolgungen ausgelöscht werden konnten - noch nicht -, und so passte man sich an.

Die Christen gaben den Heiden also zu verstehen: «Die Sonne ist gut, und wir freuen uns ihres immer neuen Sieges nicht weniger als ihr. Aber sie hat ja keine Macht aus sich selbst, sondern sie hat nur Kraft, weil Gott sie erschaffen hat. So kündet sie uns vom wahren Licht, von Gott, dem Schöpfer aller Dinge. Also feiern wir an Weihnachten das Kommen des wahren Gottes, den Urquell allen Lichtes, nicht aber sein Werk, die Sonne, die kraftlos wäre ohne ihn.»
Ein Schachzug vorzüglicher, strategischer Genialität - das muss dem Erdenker dieses Geniestreiches ohne weiteres zugestanden werden.

Durchsetzen konnte sich die konstruierte Festlegung der Entstehung des Christentums erst unter Papst Liberius im Jahre 354 n.Chr. Zum Dogma, also zum Glaubenssatz, wurde es auf dem 2. Konzil von Konstantinopel 381 n.Chr. unter Kaiser Theodosius. Erst im siebten und achten Jahrhundert setzte sich der Brauch in Europa durch: 813 n.Chr. erklärte man auf der Mainzer Synode diesen Tag offiziell zum Fest der Geburt Christi.

Arnold Meyer schrieb 1913 in seinem Buch «Das Weihnachtsfest, seine Entstehung und Entwicklung», zum eigentlichen, heidnischen Ursprung des Weihnachtsfestes: «Das ist aber keine Unehre für das Fest; es ist so eine rechte Verbindung von Christentum und Volkstum, und wenn das Wünschen und Glauben der Völker und Zeiten ihm von Anfang an Gestalt und immer neue Gestalten gegeben hat, wenn namentlich auch Sinnen und Sehnen unserer Vorfahren in ihm zum Ausdruck gekommen ist, so ist das ein Abbild davon, dass allen Völkern und auch unserem Volke Licht und Trost in Christus erschienen ist.»

Kommentar:
Lieber Hr. Meyer, das Christfest Weihnachten ist kein Ausdruck von Sinnen und Sehnen.