über die Geschichte des Weihnachtsfestes und ihrer christlichen Umwertung
Das Stammesheiligtum der Irminonen, die nach Tacitus den norddeutschen Raum bevölkerten, war die Irminsul, ein Lebensbaumsinnbild mit nach beiden Seiten ausladenden Blattrieben. Das spätere Hoheitszeichen deutscher Kaiser, das Zepter, führt in abgewandelter Form und Erscheinung ebenfalls auf die Irminsul zurück. Die Christkultreligion bekämpfte auch den heidnischen Brauch der Verehrung des Baumes zuerst mit aller Gewalt. Im 17. Jahrhundert erliessen die Behörden von Strassburg eine Verfügung «wider den heidnischen Brauch zur Weihnachtszeit, Tannenbäume mit Zuckerwerk und Puppen zu behängen und hernach zu plündern». 1935 verbot der Papst den Weihnachtsbaum für Italien und Frankreich, indem er in seinem Organ Osservatore Romano schrieb, dass zur Genugtuung aller, die das poetische und religiöse Presepio (Krippendarstellung, Anm. d. Vf.) lieben, eine opportune Bestimmung für die Abschaffung des nordischen Brauches komme, denn dieser sei lediglich eine exotische Mode und ein Überbleibsel heidnischer Naturgebräuche. Das vatikanische Blatt Osservator della Domenica schrieb noch 1961, dass das Brauchtum des Weihnachtsbaumes ein Versuch sei, die Krippe durch einen gewissen Hang zum «Naturalismus und Heidentum zu ersetzen.»
Auf eine völlig andere Art des Tannenkultes stösst man im alten Phrygien. Im heutigen Anatolien kannte man im 1. Jahrhundert n.Chr. nebst der Montanismus-Sekte, die sich mit dem Christentum heftig bekämpfte, den Magna-Mater-Kult. Während des Magna-Mater-Festes, das dem Tod Attis, dem Sohn der Kybele, geweiht war, wurde eine Tanne im heiligen Hain der Kybele gefällt und durch sogenannte Gallen auf den heiligen Palatinerberg gebracht und dort als Symbol der Wiedergeburt von Attis aufgerichtet. Auf dem Zug durch die Stadt wurde der Baum von diesen Gallen begleitet, die jammernd die Handflächen gegen die Brust schlugen. Während den nachfolgenden Festtagen steigerte sich die Klage um den Tod Attis bis zur Raserei. Unter den Klängen der Zimbel, der Flöte und des Horns, mit flatternden Haaren und indem sie heulend den Kopf und den Körper wild hin und her warfen, peitschten die Diener der grossen Mutter ihre Leiber blutig - mit heiligen Pinienzweigen und fürchterlichen Geisseln, in die scharfe Tierknochen eingeflochten waren. Mit Messern zerfleischten sie sich ihre Arme und Schultern, bis die blutigen Orgien des Festes ihren Höhepunkt in der Selbstkastration fanden.