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Hoffnungen, Wünsche, Erwartungen und Begierden spielen im Alltagsleben des Menschen wohl mit die bedeutendsten Rollen - leider. Freitag nachmittags hofft der Angestellte auf schönes Wetter am Wochenende - schliesslich sind das zwei freie Tage, die er so nutzen kann, wie er es will. Der unglücklich Verliebte wünscht sich nichts mehr auf der Welt, als dass seine Liebe erwidert wird und seine zerrende Sehnsucht in Zweisamkeit Erfüllung findet. Der Kranke hofft auf seine baldige Genesung, der Geschäftsführer auf einen hohen Jahresumsatz und die Älteren darauf, dass alles bald wieder so wird, wie es früher einmal war - denn da war ja alles noch in Ordnung.
Hat nicht jeder Mensch Wünsche, Hoffnungen und eigene Vorstellungen über sein Leben, und stellen nicht genau diese Wünsche und Hoffnungen die wichtigsten Antriebsfedern im Leben des Menschen dar? "Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben!" rät der scheinbar Weise und schon schöpft der Mensch neue Kraft - zur Bildung neuer Wünsche und neuer Begierden. Wünsche, Begierden, Erwartungen und Hoffnungen haben eines gemeinsam. Sie gründen alle in einer Form des subjektiven Verlangens. Wünscht, hofft, erwartet und begehrt der Mensch, dann verlangt er. Welcher Art das Objekt des Verlangens ist, spielt dabei gar keine Rolle. Ob es nun scheinbar wichtige Dinge sind, wie die Erwiderung einer grossen Liebe, das baldige Genesen von einer schweren Krankheit oder der positive Verlauf des Lebens im Allgemeinen, oder ob es sich um äusserst banale Dinge handelt, wie eine staufreie Strasse auf dem Arbeitsweg, schönes Wetter am Wochenende, oder, dass die Lieblingsserie im Fernsehen nicht schon jetzt ihren endgültigen Schluss findet: Es sind alles Objekte des Verlangens. Dieses Verlangen bezieht sich dabei grundlegend niemals auf die Gegenwart, in der der Mensch eigentlich lebt. Verlangt der Mensch, dann verweist er seine Gedanken, die immer den Ursprung dieses Verlangens bilden, entweder in die Vergangenheit, um 'gute, alte Zeiten' herbeizusehnen, oder in die Zukunft, um ebenfalls bessere Zeiten, nämlich die der Erfüllung allen Verlangens ungeduldig zu erhoffen. Beide Formen des Verlangens drängen auf die gewaltsame Veränderung der scheinbar unangenehmen oder zumindest verbesserungswürdigen Gegenwart. Der Mensch zerrt gedanklich entweder längst Vergangenes oder noch nicht Geschehenes ständig in die Gegenwart, die sich ihm damit in völlig irrealer Form darstellt, weil die reale Gegenwart vom subjektiven, nichtgegenwärtigen Verlangen des Menschen überlagert wird. Dem Menschen ist es zur Gewohnheit geworden, den ohnehin recht engen Raum seines gegenwärtigen Bewusstseins mit dem irrealen Verlangen, also den Wünschen, Hoffnungen und Begierden, und dadurch mit seiner eigenen Subjektivität völlig zu durchsetzen. Die Folgen dieser 'Entgegenwärtigung' sind äusserst weitreichend: Jeder nicht erfüllte Wunsch endet in Enttäuschung, jede unerfüllte Begierde erzeugt tiefe Unzufriedenheit, und Hoffnungen, die nie in Erfüllung gehen, lassen den Menschen auf Dauer völlig verzweifeln.
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