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Die Empörung ist ein Bewusstseinsprodukt, das vor allem dem Europäer, und im besonderen Fall dem deutschsprachigen Europäer zu eigen geworden ist. Das "Sich-Empören" umfasst dabei vielerlei Gebiete und reicht von der offensichtlich groben Empörung, wie beispielsweise der über das mutmassliche Fehlverhalten eines Mitmenschen, bis hin zu sehr feinen und kaum noch wahrnehmbaren Formen der Empörung, die sich nicht einmal äussern müssen in der Weise, dass sie nach aussen hin sichtbar und für die Umwelt erkennbar würden. Die feinsten Färbungen der Empörung scheinen sich sogar gänzlich vor dem Entdeckt-werden verstecken zu können. Dem Menschen ist nämlich das trennenende und auf sich selbst bezogene Bewusstsein derart stark und zur Gewohnheit geworden, dass er sich selbst und somit seinen Gedanken und Gefühlen gegenüber sehr unachtsam ist und einfach alles seinen freien Lauf lässt. Dies verunmöglicht es ihm, die sehr feinen, untugendhaften Strömungen seines Bewusstseins zu erfassen, geschweige denn sie zu erkennen und ihre Ursachen zu beheben.
Dabei wäre es wichtig, gerade diese Anverwandte der eigenen Überheblichkeit - die Empörung - zu erkennen, denn sie bildet die Grundlage vieler übler Wirkungen, die jedem Menschen zum Nachteil gereichen. Auch dem ungeschulten Bewusstsein ist es nämlich möglich, die groben und starken Färbungen der Empörung an sich selbst zu entdecken. Sie treten oft dann in Erscheinung, wenn das Aussehen, die Handlungen oder die zu Tage tretende Denkweise eines anderen Menschen usw. im Gegensatz zur eigenen Ansicht stehen und somit der eigenen Norm zuwider laufen. Der meist hinzukommende Mangel an Respekt, Achtung und Toleranz, in Kombination mit der bereits erwähnten Fahrlässigkeit und Achtlosigkeit gegenüber den eigenen Gedanken, verunmöglicht eine Überprüfung der eigenen Bewusstseinshaltung und nährt diese derart, dass die eigene Norm fälschlicherweise zum absoluten "Mass aller Dinge" erhoben wird. Dabei vergisst der Mensch, dass diese Norm, die er als Massband den Anderen umschnürt, lediglich für seine eigene Person Gültigkeit besitzt, gemäss seiner eigenen Erziehung, seiner eigenen ihn prägenden Umwelt und seiner ihm eigenen, gebildeten Denk- und Handlungsweise und deswegen nie bedenkenlos auf den Mitmenschen übertragbar ist. Aufgrund seiner genossenen Erziehung, seinen vielfältigen Erlebnissen und seinen vergangenen Erfahrungen lebt der Mensch in seiner "eigenen Welt", die er sich von Kindesbeinen an selbst zusammengereimt und aufgebaut hat, gestärkt von der selten an die Oberfläche tretenden, aber stets sublim vorhandenen Fehlüberzeugung, dass alle Menschen die gleichen Wahrnehmungen treffen würden, gemäss der für alle Menschen gleich erscheinenden Realität. Aus diesem Irrtum heraus richtig geschlussfolgert hiesse dies, dass alle Menschen gleich Denken, Fühlen und Handeln müssten, was offensichtlich und in Anbetracht der zahlreichen Kriegsschauplätze auf dieser Erde nicht der Fall sein kann. Im Gegenteil: So zahlreich der Mensch auf Erden und im gesamten Universum verteilt ist, so vielfältig, kontrovers und heterogen sind seine Ansichten, Meinungen, Denk- und Handlungsweisen.
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